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Feb5
Glücksspiel Casino Internet – FAZ
Filed under: Internet;Kommentare deaktiviertTOBY MELVILLE/Reuters/Corbis
200 Milliarden Euro echtes Geld sollen demnchst in virtuellen Casinos ungesetzt werden
Poker, Roulette, einarmige Banditen, Baccarat und Blackjack hatten bisher eine gemeinsame Grundlage im Internet, und die hie Flash. Das gern fr Animationen verwendete Format sorgt seit mehr als 15 Jahren zuverlssig dafr, dass sich die Rouletterder drehen, Karten gegeben werden und sich die Walzen der einarmigen Banditen in Bewegung setzen. Ausgerechnet in den Tagen, in denen sich die Online-Glcksspielbranche vor einem Boom sieht, mssen neue Softwareplattformen fr Poker, Roulette Co. im Netz her. Die werden sich zum einen strker an den Web-Standard HTML5 anlehnen, zum anderen hufiger als bisher herstellereigenen Programmierstandards gengen. Auf jeden Fall muss die Casino-Software aufgerstet werden – auch, um Falschspielern das Handwerk zu legen.
Dem Glcksspielmarkt im Internet werden phantastische Wachstumsraten prognostiziert. So soll der Jahresumsatz der Branche nach Schtzungen der Marktforscher von Pricewaterhouse Coopers im Jahr 2015 bereits an 200 Milliarden Euro heranreichen. Fr die angeblich so blendenden Aussichten der Spieler im Netz gibt es in Deutschland nur eine Schwierigkeit: Online-Glcksspiel ist hierzulande verboten. Das haben die 15 Bundeslnder noch einmal in den Glcksspielstaatsvertrag hineingeschrieben, den sie nach einer Entscheidung des Europischen Gerichtshofs neu fassen mussten.
20 Lizenzen fr Sportwetten
Die Luxemburger Juristen hatten nmlich staatliche Monopole bei Sportwetten beanstandet. Deshalb wollen die dem Glcksspielstaatsvertrag beigetretenen Bundeslnder 20 Lizenzen fr Sportwetten vergeben. Dabei darf auch online gewettet werden, Poker und Roulette im Internet bleiben jedoch verboten und knnen demnchst vermutlich nur im hohen Norden gespielt werden. Denn Schleswig-Holstein macht beim Glcksspielstaatsvertrag nicht mit und hat sich ein eigenes Gesetz gegeben.
Das sieht nicht nur eine unbeschrnkte Vergabe von Wettlizenzen vor, sondern erlaubt auch Online-Casinospiele und Poker. Die Anbieter mssen sich allerdings lizenzieren lassen. Die von CDU und FDP getragene Regierung im Lande zwischen Nord- und Ostsee erwartet jhrliche Umstze der Anbieter in Hhe von 200 Millionen Euro. Der Staatskasse drften daraus zwischen 35 und 40 Millionen Euro zuflieen. Denn die Veranstalter von Pokerrunden mssen 20 Prozent des Rohertrags abfhren. Das ist ein recht risikoloses Geschft, denn wer online Roulette spielen oder pokern will, der muss vorab sein Konto beim Glcksspielveranstalter per Kreditkarte oder Online-Zahlungsdienst wie zum Beispiel Paypal aufladen. Die Spieleinstze werden dann von diesem internen Veranstalterkonto abgebucht.
Gregor Schuster/Corbis
Am PC sind die Jetons genau so gefhrdet wie im Hinterzimmer
“Der Online-Markt macht gegenwrtig mindestens zehn Prozent des gesamten Marktes von Glcks- und Geschicklichkeitsspielen in Deutschland aus”, urteilen die Professoren Reiner Clement und Franz Peren vom Forschungsinstitut fr Glcksspiel und Wetten in Sankt Augustin bei Bonn. Frs Pokern im Netz geben die deutschen Spieler ihren Schtzungen zufolge knapp 340 Millionen Euro im Jahr aus. Damit hat Online-Poker die Online-Sportwetten, deren Umsatz bei 290 Millionen Euro im Jahr liegt, glatt berholt.
Deshalb investieren die bisher etablierten Anbieter wie Poker Strategy, Pokerolymp, Party Poker oder Pokerstars enorme Summen, um ihre Software weiterzuentwickeln. Ihr Augenmerk gilt dabei vor allen Dingen der persnlichen Zusatzsoftware fr den Online-Spieler sowie Sicherheitsfunktionen, die auch Mitarbeiter der Veranstalter nicht aushebeln knnen.
Software fr Spielangebote in sozialen Netzwerken und Poker-Apps fr Tablet-PC und Smartphones sinken derzeit auf der Priorittenliste der Pokerbranche. Dabei tummeln sich allein auf der Facebook-Plattform tglich bis zu 30 Millionen Online-Pokerspieler. Das Poker-Angebot von Zynga hat mittlerweile das “Farmville” desselben Herstellers auf der Beliebtheitsskala berholt.
berweisung direkt vom eigenen Girokonto erfolgen
Doch die etablierten Veranstalter von Online-Pokerrunden wollen lieber die eigenen Plattformen um Funktionen sozialer Netzwerke anreichern. Dazu zhlen nicht nur Nachrichten- und Diskussions-funktionen, sondern vor allen Dingen Analyse-Tools, mit denen eigene Spiele, aber auch Runden von Branchengren genau nachvollzogen werden knnen. Eine Art “Finanzverwaltung” mit Gewinn-und-Verlustrechnung soll dem Online-Pokerface die wirtschaftliche Seite seines Hobbys transparent machen.
Dabei integrieren einige Anbieter auch gngige Bankensoftware, damit die berweisung auf das Spielkonto direkt vom eigenen Girokonto erfolgen kann. Sie werben damit, dass dann die Risiken einer Kreditkartenbuchung oder eines Zahlungsvorgang mit Paypal vermieden werden knnten. Doch so richtige Akzeptanz findet die Einbindung der Bankensoftware nicht. Beim Online-Glcksspiel wird das interne Spielkonto beim Veranstalter an erster Stelle immer noch mit der Kreditkarte aufgefllt.
Ganz oben auf der Agenda der Poker-Veranstalter im Internet stehen Sicherheitsalgorithmen. Denn die Branche hat mit Imageproblemen zu kmpfen, die wegen kleinerer und grerer Betrgereien ziemlich gro geworden sind. Da gibt es zum Beispiel Spionagesoftware, die dem Betrger genau mitteilt, welche Karten seine Mitspieler gerade in der Hand haben. Dabei werden hufig Man-in-the-Middle-Attacken gefahren. Die Poker-Betrger schalten einen Rechner zwischen den Casino-Server und die PC der ausgesphten Mitspieler. Lsst sich ein Mitspieler eine Karte geben, werden die Datenpckchen mit Karteninformationen abgefangen und ausspioniert.
Verschlsselung erst nach Anmeldung
Deshalb setzen die Poker-Unternehmen zunehmend auf Verschlsselung. Doch hier greift der sogenannte Poker-Strip-Trick. Der funktioniert nur, weil die Datenverbindung zwischen dem Spieler-PC und dem Casino-Server nicht immer von Anfang an verschlsselt wird. Hufig rufen Poker-Spieler zunchst die Seite des Spieleveranstalters auf. Verschlsselt wird die Verbindung erst, wenn sie sich mit ihrer Benutzerkennung anmelden, um an einer bestimmten Pokerrunde teilzunehmen. Dann wird der Spieler auf die verschlsselten Seiten des Casinos weitergeleitet. Das alles erfolgt aber noch unverschlsselt – ein Angriffspunkt fr die Betrger. Gegenber dem Spieler geben sie sich in einem solchen Fall als Casino-Server aus und unterhalten eine unverschlsselte Datenverbindung. Gegenber dem Casino-Server hingegen treten sie als Spieler-PC auf und bauen eine verschlsselte Verbindung auf.
Fordert ein Mitspieler eine Karte beim Casino-Server an, reichen die Online-Betrger diese Bitte an den Casino-Server weiter. Die Spiele-Software ermittelt ber einen Zufallsgenerator eine Spielkarte und versendet sie als verschlsselte Grafik-Datei an den Spieler. Auf dem zwischengeschalteten Rechner wird die Datei entschlsselt. Der Betrger wei also, welche Spielkarte sein Mitspieler erhalten hat. Diesem Poker-Strip genannten Online-Betrug versuchen die Veranstalter durch Ende-zu-Ende-Verschlsselung und ununterbrochene Verschlsselung bereits vom Aufruf der Casino-Website entgegenzuwirken. Doch noch lngst nicht alle Veranstalter haben diese Sicherheitsmanahmen umgesetzt.
Insider-Angriffe sind ein erhebliches Problem
Regelwidrige Absprachen von Spielern ber Skype oder Smartphones, die ihre Setzstrategie abstimmen, um einen Dritten auszubooten, gehren ebenfalls zum Alltag der Pokerrunden. Ferner wurde von Spielern berichtet, die mit Mehrfachaccounts eine bestehende Pokerrunde vorgaukeln und damit vor allen Dingen Poker-Novizen das virtuelle Geld aus der Tasche ziehen.
Auch Insider-Angriffe sind trotz aller Bemhungen der Veranstalter ein erhebliches Problem. Manipulationen an den Zufallsgeneratoren fr die Zuteilung der Spielkarten und die Arbeit mit geflschten Karten respektive Grafikdateien zhlen zu den beliebtesten Tuschungsmethoden. Um geflschte Dateien mit Spielkarteninformationen auszuschlieen, arbeiten serise Veranstalter zunehmend mit Prfsummen. So wird sichergestellt, dass Dateien nicht nachtrglich verndert oder manipuliert wurden.
Manipulationen an der Casino-Software, die zum Beispiel den Ablauf von Pokerrunden steuert und dafr sorgt, dass Karten verteilt und Geldbetrge gesetzt werden, versuchen die serisen Spielveranstalter durch regelmige Verhaltensanalysen der Software auszuschlieen. Auerdem werden Schwachstellen und Sicherheitslcken der Casino-Software durch Sicherheitssoftware aufgedeckt und in der Regel rasch geschlossen.
Hufiger als beim Poker machen unserise Veranstalter von Online-Roulette ihr Geld mit dem Verkauf persnlicher Daten der Spieler. Das fngt beim Aussphen von Kontoinformationen an, wenn vom Girokonto Geld auf die Spielbank des Glcksspielveranstalters berwiesen wird, geht ber Kreditkartenmissbrauch weiter und hrt bei Online-Durchsuchungen von Spieler-PC noch lngst nicht auf. So hat ein Glcksspielveranstalter in den Vereinigten Staaten die Produktschlssel von besonders teurer Software auf den Spieler-PC ausgelesen und an Dritte weiterverkauft, die damit Raubkopien der Software freischalten konnten.
Auch die Nachrichtendienste verschiedener Staaten tummeln sich in der Glcksspielszene: Den Datenpckchen, mit denen ein Online-Casinobetreiber auf Malta bestimmten Spielern Baccarat-Karten zuschickte, waren auch gleich noch Computerviren angehngt, die weitere Schadsoftware herunterluden und in den Wochen nach dem virtuellen Casinobesuch Screenshots anfertigten. Die Screenshots wurden dann spter ber den Casino-Server an den Nachrichtendienst eines Staates im Nahen Osten geschickt. Unter den heimlich angefertigten Schnappschssen fanden sich dann sogar Bauplne fr Zentrifugen, die fr die Urananreicherung verwendet werden.
Solche kriminellen Begleiterscheinungen des Online-Glcksspielmarktes knnen nach Meinung der Wissenschaftler vom Forschungsinstitut fr Glcksspiel und Wetten nur dann wirkungsvoll verhindert werden, wenn der Online-Glcksspielmarkt staatlich reguliert und dadurch der Kriminalisierung entzogen wrde. Betrgereien und Spionage wrden in den Schwarzmarktnischen des Online-Glcksspiels mit erheblich geringerem Risiko vorgenommen als in einem staatlich regulierten Markt, bei dem sich auch die Marktakteure gegenseitig kontrollieren, werben die Bonner Glcksspielexperten fr das Kieler Modell und fordern die Bundeslnder auf, Online-Poker und andere Spiele reguliert zuzulassen und damit aus der kriminellen Ecke herauszunehmen.
Tatschlich wchst die Bereitschaft, Betrgereien beim Online-Glcksspiel anzuzeigen, wenn sich der Anzeigende nicht selbst damit brandmarken muss. Allerdings herrscht im Augenblick bei den zustndigen staatlichen Stellen Ratlosigkeit, wie nach einer Legalisierung von Online-Casinos eine Zertifizierung von Casino-Software und entsprechenden Browser-Plugins erfolgen knnen. Hier wird offenbar noch hart um Zustndigkeiten gerungen. Auch die Frage nach der Identifikation der Spieler bereitet Politikern und Verwaltungsexperten Kopfzerbrechen. Ob der Identittsnachweis des neuen Personalausweises dafr verwendet werden soll oder ob nur online spielen und wetten darf, wer sich zuvor in ein zentrales Register eingetragen hat, ist ebenfalls ungeklrt. Ob Schleswig-Holstein Modellcharakter in Sachen Online-Glcksspiel fr sich beanspruchen kann, wird auch davon abhngen, inwieweit solche Fragen nach einer Altersverifikation oder nach Bekanntgabe der eigenen Identitt vor den Poker- und Roulette-Runden gelst werden.
Quelle: F.A.Z.
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Glcksspielbranche: Casino Internet
Glcksspiel
Casino Internet
Von Peter Welchering
Glcksspiel im Netz wird in Deutschland immer beliebter. Die Anbieter wittern einen Milliardenmarkt, doch gegen Falschspieler und Betrger mssen Glcksspielbranche und Kontrollinstanzen noch technisch aufrsten.
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