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Feb9
SPORT1-Pokerschule: Mathematik nicht überbewerten
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Pius Heinz gewann am 9. November 2011 den Weltmeister-Titel im Pokern
Von Michael Krner und Pius Heinz
Mnchen – Sonnenbrillen sind bei Poker-Spieler ein beliebtes Utensil, um sich nichts anmerken zu lassen und die Augen mglichst gut zu verstecken.
Whrend Augen und Blicke etwas verraten knnten, kann kein Spieler in den Kopf des Kontrahenten schauen, um dort die Gedankengnge zu erkennen.
Im zweiten Teil der SPORT1-Pokerschule geht es darum, welche Rolle die Augen und der Kopf beim Pokern einnehmen. (DIASHOW: Pius Heinz’ Triumph bei der WM)
(
Hier geht es zum ersten Teil der SPORT1-Pokerschule mit Pius Heinz)Kopf
In unserem Kopf spielen sich whrend eines Pokerspiels viele Milliarden Dinge ab, so auch mathematische und spielanalytische Prozessen. (
Pius Heinz auf Facebook)Es gibt viele Menschen, die dem Pokerspiel einen gehrigen Respekt entgegen bringen. Unter anderem auch deswegen, weil sie die mathematische Komponente des Spiels berbewerten.
Kein Uni-Abschluss ntig
Mathematik ist ein absolut notwendiger Bestandteil des erfolgreichen Spiels, jedoch braucht es dafr keinen Universittsabschluss in theoretischer Rechenkunst.
Die durchzufhrenden Berechnungen sind relativ banal, die Situationen schnell zu erkennen, so dass einem halbwegs versierten Spieler die Anwendung nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut bergehen sollte.
Einfaches Grundprinzip
Das Grundprinzip drfte jedem Spieler schnell einleuchten: In einem Poker-Pott liegen 80 Chips, entsprechend gro ist demnach der momentan mgliche Gewinn. Nun setzt vor mir jemand weitere 20 Chips, so dass der Pott auf 100 Chips angewachsen ist.
Ich muss also mindestens 20 Chips investieren, um die 100 zu gewinnen, da ich bekanntlich den Einsatz meines Gegners “callen” muss, um in der Hand dabei zu bleiben.
Erste berlegungen
Die berlegung dazu: Wenn das in einem von fnf Fllen funktioniert, habe ich am Ende “plusminusnull”, also weder etwas gewonnen noch verloren. Ich habe ja in fnf Versuchen jeweils 20 investiert (5 x 20 = 100), um einmal die 100 im Pott zu gewinnen.
Dementsprechend wre es super, wenn es mir, in einem von vier Fllen gelingt, den Pott zu gewinnen. Damit mache ich auf lngere Sicht Gewinn. Ich investiere insgesamt 80 Chips (4 Versuche mit je 20 Chips) und gewinne einmal 100.
Also habe ich ein Plus von 20 Chips. Nun brauche ich also fr unseren speziellen Fall eine Gewinnwahrscheinlichkeit von mindestens 25 Prozent, es soll ja in einem von vier Fllen gelingen.
Der Weg zum fortgeschrittenen Spieler
Der nun folgende Schritt ist aus mathematischer Sicht der wichtigste auf dem Weg von einem Anfnger zum fortgeschrittenen Spieler.
Bereits nach sehr wenigen Hnden wei auch der Einsteiger, dass ihm noch eine Herzkarte zum Flush fehlt, wenn er selbst zwei Herz hlt und bei den Gemeinschaftskarten im Flop ebenfalls zwei der drei Karten Herz sind.
Der entscheidende Vorgang ist nun, kurz zu berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit noch ein weiteres Herz kommt.
Berechnung der “Outs”
Es gibt insgesamt 13 Karten von jeder Farbe (also auch Herz), vier sind mindestens im Umlauf (zwei beim Spieler, zwei im Flop). Also gehen wir von noch neun verbliebenen Herzkarten aus.
Diese Karten, die einem Spieler zu einer gemachten Hand (also hier einem Flush) verhelfen, nennt man “Outs”. Um die relativ korrekte Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, mssen Sie die Anzahl ihrer Outs nach dem Flop mit dem Faktor 4 multiplizieren: 4 x 9 = 36. (Der mathematisch korrekte Wert wre 35 Prozent)
Recht grob, aber fr unsere Verhltnisse vllig ausreichend formuliert: Man bekommt den Flush in etwa jedem dritten Fall. Fr unsere Situation bedeutet das, es gibt eine Gewinnwahrscheinlichkeit von ber 25 Prozent, demnach ist es mathematisch korrekt mit einem Flushdraw einen Einsatz von 20 Chips zu bezahlen, wenn ich 100 damit gewinnen kann.
Wann man bezahlen sollte
Wird nur noch die Riverkarte gelegt, drfen Sie die Anzahl Ihrer Outs natrlich nicht mehr mit dem Faktor 4 multiplizieren. Hier gilt die Regel: Zahl der Outs mit 2 multiplizieren und 2 addieren.
Fr den Flushdraw: 9 x 2 + 2 = 20. Hier ist die Gewinnwahrscheinlichkeit also nur noch 20 Prozent. Nun fehlt noch der Bezug zwischen Gewinnwahrscheinlichkeit und dem zu erwartenden Gewinn, dem Geld im Pott also.
Multiplizieren Sie die 20 Prozent mit dem Geld im Pott: 0,20 x 100 = 20. Bis 20 Chips knnen Sie callen, sollte vor Ihnen jemand mehr setzen, ist es aus mathematischer Sicht nicht mehr korrekt zu bezahlen.
Berechnungen sind schnell gelernt
Experimentieren Sie ruhig ein bisschen, kalkulieren Sie Ihre Outs auf dem Flop und/oder dem Turn, berechnen Sie die korrekten Wahrscheinlichkeiten.
Sie werden sehen, nach kurzer Zeit ist es fr Sie eine vllig normale Angelegenheit, auf dem Flop oder Turn Ihre Outs zu erkennen und die Gewinnwahrscheinlichkeiten zu berechnen.
(
Tabelle der Wahrscheinlichkeiten – Turn und River)(
Tabelle der Wahrscheinlichkeiten – River)Das Gefhl fr einen Call
Es bleibt natrlich jedem selbst berlassen, ob er bei seinem Spiel stndig irgendwelche Wahrscheinlichkeiten berechnet.
Mit einer gewissen Erfahrung jedoch verschwimmen diese Berechnungen in Ihrem Kopf zu einer Art “Gesamteinschtzung”. Sie werden ein Gefhl dafr bekommen, ob sich ein mathematischer fragwrdiger Call doch noch lohnt, weil Sie von Ihrem Gegner sehr viele Chips gewinnen knnen.
Oder weil Sie andere Dinge noch mit ins Kalkl ziehen. Erfahrung beim Poker ist das A und O, viele Dinge, die Ihnen anfangs vielleicht noch befremdlich oder in den mathematischen Fllen umstndlich erscheinen, werden ihnen im weiteren Verlauf Ihres Spiels vllig selbstverstndlich vorkommen.
Fazit: Die Basis der Poker-Mathematik ist einfacher als gedacht. Geben Sie sich einen Ruck.
Heinz: “Der Kopf ist das Wichtigste beim Poker. Eine vernnftige Spielanalyse gehrt zur Kernkompetenz eines erfolgreichen Pokerspielers. Allerdings darf man sich auch nicht auf pure mathematische Entscheidungen versteifen. Man sollte immer ber mehrere Mglichkeiten nachdenken, wie man einen Pott gewinnen kann. Wichtig ist, sich bereits am Flop zu berlegen wie ich die Hand auf dem Turn und auf dem River weiter spielen kann.” (
Folge Pius Heinz auf twitter)
Auge
Das Auge liefert uns einen gigantischen Schwall an Informationen, den wir fr unsere Zwecke eindmmen mssen, um die relevanten Eindrcke zu nutzen.
Generell gilt, es ist von unschtzbarem Vorteil so ausdauernd wie mglich das Geschehen am Tisch zu beobachten.
Den Gegner lesen
Was fr Typen sind meine Gegner? Junge wilde Spieler oder eher ltere passive? Welche Aufflligkeiten kann man feststellen? Wie hat sich jemand verhalten, der eine starke Hand gezeigt hat? Wurde einer Ihrer Gegner am Tisch bei einem Bluff erwischt, dann versuchen Sie nachtrglich zu rekapitulieren was Ihnen aufgefallen ist.
Dabei sollte vor Ihrem inneren Auge auch immer ein Bild von Ihrem eigenen Verhalten am Tisch entstehen. Wie wirken Sie mit Ihrer Art auf die anderen Spieler? Haben Sie an sich selbst Verhaltensmuster entdeckt, aus denen andere Spieler Rckschlsse auf die Strke Ihrer Hand ziehen knnen?
So lehnen sich manche Spieler recht auffllig nach vorn, wenn ihnen der Flop gefllt und sie besonders interessiert sind. Oder sie lehnen sich leicht zurck, weil sie eine schwache Hand halten und unbewusst bereits mit ihr abgeschlossen haben.
“Tells” erkennen
Das, was ein Spieler am Tisch in einer mehr oder weniger aufflligen Weise von sich preisgibt, nennt man “Tell”. Ein “Tell” erzhlt einem eine kleine Geschichte ber eine Person.
Beispiele dafr sind so unendlich wie menschliche Verhaltensweisen. Der ehemalige FBI-Agent Joe Navarro hat sogar ein Buch ber solche Verhaltensmuster geschrieben und es erscheint einem Laien beinahe bengstigend welche Rckschlsse manche Menschen aus einem Zucken, Kratzen, Atmen, Wippen etc. ziehen knnen.
2000: Chris Ferguson
Gewinnsumme: 1.133.101 Euro
2001: Carlos Mortensen
Gewinnsumme: 1.133.101 Euro
2002: Robert Varkonyi
Gewinnsumme: 1.510.802 Euro
2003: Chris Moneymaker
Gewinnsumme: 1.888.502 Euro
2004: Greg Raymer
Gewinnsumme: 3.777.005 Euro
2005: Joe Hachem
Gewinnsumme: 5.665.507 Euro
2006: Jamie Gold
Gewinnsumme: 9.064.812 Euro
2007: Jerry Yang
Gewinnsumme: 6.232.058 Euro
2008: Peter Eastgate
Gewinnsumme: 6.913.744 Euro
2009: Joseph Cada
Gewinnsumme: 6.456.444 Euro
2010: Jonathan Duhamel
Gewinnsumme: 6.756.410 Euro
2011: Pius Heinz
Gewinnsumme: 6.583.801 Euro
Sehr gute Spieler sind allerdings auch in der Lage mit solchen “Tells” zu “spielen”, d.h. sie tuschen Zweifel und Unsicherheit vor, dabei halten sie eine ausgesprochen starke Hand.
Fazit: Seien Sie ein guter Beobachter ohne selbst ins Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit zu geraten.
Heinz: “Fr mich ist es wichtiger selber keine Tells zu zeigen als bei anderen Spieler welche zu entdecken. Spiele ich gegen starke Spieler und mein Gegner berlegt sehr lange, dann suche ich mir eine Karte auf dem Tisch aus, die ich stumpf anstarre. Spiele ich gegen schwchere Spieler, so habe ich auch kein Problem damit, denjenigen selbst ber lngere Zeit anzustarren.”
(
Hier geht es zum ersten Teil der SPORT1-Pokerschule mit Pius Heinz)(
Hier geht es zum dritten Teil der SPORT1-Pokerschule mit Pius Heinz)
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